AHU


Ahu ist der Begriff für die architektonischen Steinplattformen auf der Südsee-Insel Rapa nui. Sie dienten im allgemeinen als Basis der kolossalen Steinstatuen, genannt Moai.
Es handelt sich um enorm große, rampenförmige Steinaufschichtungen entlang der Küste, mit meterhohen Stützmauern zur See gerichtet. Nur wenige Ahu stehen im Inselinnern.
Alle Ahu sind Bestandteil eines Zeremoniekomlexes, der ausschliesslich dem Ahnen- und Totenkult gewidmet war. Den Monumenten der prähistorischen Vergangenheit, 1.- bis 18. Jahrhundert n.Chr., ist ein Krematorium für die Leichenverbrennung zugeordnet. Die historischen Bauwerke enthielten Grabkammern. Die letzten Ahu erstanden noch im ausgehenden 19.Jahrhundert.



Archäologen unterscheiden 5 Typen von Ahu :
1. Plattform Ahu
2. Image Ahu
3. Halbpyramiden Ahu
4. Kanu Ahu
5. Keil Ahu

Die ersten Ahu entstanden sicher schon kurz nach der Besiedelung im 5. Jahrhundert. Später wurden sie erweitert und modifiziert. Ab ca. 1.000 n.Chr. wurden die ersten Kolossalstatuen aufgerichtet und es entstanden die sogenannten Image-Ahu (2). Je grösser sich eine einzelne Siedlung entwickelte, um so bedeutender war die dazugehörige Kultstätte. Mit fortgeschrittenen Bautechniken und verfeinerten Steinbearbeitungsmethoden evolutionierte auch die Architektur. So weisen die frühen Ahu hochgestellte, dürftig bearbeitete Steinblöcke als Stützmauer auf. Später kamen mehrere auf der Sichtfläche feinpolierte und konvexgeformte Steinplatten horizontal geschichtet übereinander. Ihr Aussehen hat den norwegischen Abenteurer Thor Heyerdahl zu einer Besiedelungstheorie aus den Inkagebieten Südamerikas verleitet.

Der Zerfall der homogenen Inselgesellschaft im 17. und 18. Jahrhundert hatte auch eine bedeutende Veränderung der Bauorganisation zur Folge. Über die bestehenden Gebäude wurden rohe Lavasteine zu einer Halbpyramide (3) aufgetürmt. Auf die seeseitigen Mauern legten die Bauleute mehrere Schichten ausgegrabener Hausfundamentsteinquader der nicht mehr benützten Hare paenga. Statuen wurden nicht mehr aufgerichtet.

Mit der Entdeckung der Osterinsel durch die ersten Europäer anfangs des 18.Jahrhunderts erhielten die Totenkultmonumente (4) die Form eines Schiffes. Über die schmalen, zur See gerichteten und keilförmigen Steinrampen (5) ist wenig bekannt. Der Schweizer Erich von Däniken interpretiert sie als Abschussrampen der ausserirdischen Südsee-Besucher...(Mit dem Schalk in den Augen könnte man sagen : wahrscheinlich überfuhren sie einige Insulaner beim Abflug, denn in den holprigen Lavasteinrampen eingebaut befinden sich grosse Grabkammern). Auf dem höchsten Punkt dieser wenigen Monumente ruhen kleine Moai-Images.

Auf den immensen Plattformen-Ahu (1+2) standen die kolossalsten Moai. Während der periodischen Umbauarbeiten wurden sie gestürzt und das Bruchmaterial in das neue, grössere Bauvolumen eingefüllt. Zum Teil sind Statuenköpfe oder Körperteile in die neuen Stützmauern integriert worden. Unter den letzten umgestürzten Moai, die heute flach mit dem Gesicht zum Boden vor den Ahu liegen, sind in den entstanden Freiräumen Gräber eingerichtet worden.
Viele ältere Osterinsulaner erinnern sich noch der Begrabenen und respektieren die Kultplätze. Bei archäologischen Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten wird der Dorfpfarrer hinzugezogen und eine Messe zelebriert. Ein anschliessender Umu, Erdofen, soll die Geister versöhnlich stimmen.



Heute sind 12 restaurierte Ahu zu bewundern. Die meistbesuchten sind Ahu Tongariki mit 15 Statuen, Ahu Ahu Nau Nau mit 5 ganzen Statuen, Ahu Ature Huke mit 1 Statue, Ahu Akivi mit 7 Statuen, Ahu Huri a Urenga mit 1 Statue und der Sektor Tahai mit total 6 ganzen Statuen.

Die ältesten Datierungen gehen ins 5. Jahrhundert (±200 Jahre) zurück. Die ersten grösseren Siedlungsplätze entstanden wahrscheinlich am Strand von Anakena an der Nordküste, Ahu Ature Huke/Ahu Nau Nau und beim Zeremonialzentrum Tahai an der Westküste, Ahu Vai uri/Ahu Tahai,/Ahu Ko te Riku.


AHU TEPU

Ahu Tahai

Tahai ist der informativste archäologische Sektor auf Rapa nui. Die rund 2000 Tonnen Gestein der drei Ahu-Plattformen sind 1967 unter der Leitung des amerikanischen Archäologen Professor William Mulloy wieder aufgebaut worden.
Vom Dorfzentrum sind es 20 Minuten Fussmarsch entlang der Küstenstrasse in nördlicher Richtung. Besuchen Sie den Platz im aufgehenden Morgenlicht. Schon aus entfernter Distanz leuchten die aus weisser Koralle eingelegten Augen der Statue Ko te Riku. Sie ist die einzige „Sehende“ auf der Insel. An allen anderen Moai sind nur die dunklen Augenhöhlen zu finden.
Ko te Riku steht 4.75 Meter gross und mit 20 Tonnen Gewicht auf einem 20 x 4 Meter messenden Ahu. Auf dem Kopf trohnt ein tonnenschwerer, rot schimmernder Pukao. Der eingeebnete Vorplatz ist zum Teil mit geglätteten Lavasteinen gepflastert.
Ein paar Meter südlich steht ein weiterer Moai auf dem Ahu Tahai.
Die Statue (siehe Abbildung oben) ist sehr erodiert, Details am Gesicht und Hände sind kaum mehr erkenntlich. Während den Restaurierungsarbeiten gefundene Holzkohlenstücke wurden auf eine Zeitperiode im 7. Jahrhundert datiert.
Auf der dritten Plattform im Bereich von Tahai steht eine ganze Gruppe Statuen aus unterschiedlichen Epochen.


AHU AKIVI

Ahu Akivi

Sieben gleichgrosse, einander ähnliche Moai
blicken als einzige der Osterinsel-Statuen zum Meer, Richtung Westen, zurück nach dem imaginären Hiva. So macht es den Anschein auf den ersten flüchtigen Blick. Die Legende erzählt von 7 Kundschaftern, die Ariki Hotu Matua’a übers Meer schickte, um nach Rapa nui Ausschau zu halten.
Ahu Akivi ist erstanden als Ehrendenkmal der 7 waghalsigen Naveganten. Aber müssen derart Verehrte weit weg von der Küste auf’s Meer schauen?
Wie bei allen Kultstätten der Osterinsel, befindet sich unweit in Blickrichtung der Statuen eine ehemalige Siedlung. Ein kilometerlanges Lavagrottenlabyrinth zieht sich über die weite Ebene. Als eine der wenigen Stellen im Inselinnern mit ausreichenden Trinkwasserreserven, war es die einzige Ausweichstelle für neue Dörfer. Archäologische Ausgrabungen und Datierungen ergeben ein Baudatum um 1460 n.Chr. Zu dieser Zeit war das gesamte Küstengebiet besiedelt.
Wo sollten die nachfolgenden Generationen leben? Die einzige Möglichkeit war landwirtschaftlich genutzten Boden zu opfern. Das verursachte Streitigkeiten. Die vielen Höhlen konnten in Festungen umgebaut werden und die Bewohner lebten in relativer Sicherheit.
Das ist eine mögliche plausible Erklärung für die Ausrichtung der Statuenreihe. Vereinzelte Beobachter sehen in der Kultanlage eine Art Sonnen-Observatorium. Die Blickrichtung der 7 Moai zeigt fast exakt zur Frühlings-Sonnenwende.
Andere haben ausgerechnet, daß zur Bauzeit des Monuments an gleicher Stelle die Sternengruppe der Pleyaden, das bekannte Sieben-Gestirn, am Horizont verschwand.
Restauriert wurde der Ahu Akivi 1960.
Die gestürzten Statuen sind nicht, wie bei Tongariki mit einem modernen Kranfahrzeug aufgerichtet worden, sondern mit mühsamer Aufschichtung roher Lavabrocken zu einer steil aufragenden Rampe. Am Ende „kippte“ die jeweilige Statue in die vertikale Lage. Anschliessend mußte das aufgebaute Steinmaterial wieder weggeräumt werden.
Bei den Ausgrabungen kam ein enormer Monolith aus der Ahu-Steinfüllung ans Tageslicht, ähnlich der Steinsetzungen in Zentralpolynesien. Aber auch mehrere Dutzend kleinere Steinfigürchen wurden gefunden. Sogar runde Tuff- und Obsidianscheiben, die jedoch erst 1970 als Pupillen der ehemaligen Augen gedeutet werden konnten.
Ahu Akivi ist gut zu Fuss vom Dorf Hanga roa aus zu erwandern. Der beste Zeitpunkt für ideale Fotos ist nach dem Überschreiten der Sonne des Zenits.


AHU TONGARIKI

Ahu Tongariki

Tongariki ist ein magisches Wort,
für jeden informierten Osterinsel-Besucher.
Es handelt sich um das imposanteste prähistorische Bauwerk in ganz Polynesien.
23.000 m3 Lavagestein sind zu einer keilförmigen Rampe aufgeschichtet und 15 kolossale Statuen-Moai aus Aschentuff sitzen tonnenschwer auf flachen Fundamentplatten.
Die Kulisse ist ergreifend.
Im Rücken der Steinriesen der tiefblaue Pazifik, unweit im Inselinnern die steilabfallende Felswand des Rano raraku wie ausgebreitete Adlerschwingen leuchtend. Die besten Augenblicke sind zum Sonnenaufgang oder Spätnachmittags.
Tongariki liegt östlich an der Südküste,
20 Km vom einzigen Inseldorf Hanga roa entfernt.
1960, am 21. Mai, erreichte ein gewaltiger Tsunami die Osterinsel aus östlicher Richtung. Das heftigste bis heute registrierte Erbeben an der 4000 Km entfernten chilenischen Südküste löste eine 20 Meter hohe Flutwelle aus. Sie raste mit 650 Km/Std quer über den ganzen Pazifik und verursachte enorme Schäden auf mehreren Inselgruppen.
Tongariki wurde innerhalb von Sekunden weggespült. Der 180 Meter lange Ahu und die vornübergekippte Statuenreihe, der schwerste Moai wiegt immerhin 88 Tonnen, verteilten sich auf über 100.000 m2 Fläche wie eine weggeschleuderte Puppenstube.
1993 begannen die Restaurierungsarbeiten.
Ein japanischer Kranfahrzeugfabrikant investierte in Archäologie! Mit Hilfe eines zur Osterinsel verschifften Kranfahrzeuges räumten 90 Insulaner unter der Leitung des chilenischen Archäologen Professor Claudio Christino das Trümmerfeld. Jeder bearbeitete Steinbrocken wurde aussortiert und genau vermessen. In Museen und Privatsammlungen suchten Archäologen nach Dokumenten und Fotos, die aus der Zeit vor der Flutkatastrophe stammten. Mit Hilfe dieser Daten entstand, wie ein Puzzlebild das originale Monument von Neuem.
Die Baugeschichte Tongariki’s verteilt sich auf einen Zeitraum von 1000 Jahren. Was klein begann endete gigantisch. Dutzende aufgerichteter Statuen wurden periodisch gestürzt und als Füllmaterial für ein grösseres Bauwerk verwendet. Als Vergleich dient die christliche Bauarchitektur: Kapelle, Kirche, Kathedrale.
Die vielen Statuenteile liegen heute als Beweisstücke seitlich des Monumentes Tongariki deponiert. Die Dimensionen und Formen der früheren Moai sind unterschiedlich zu den zuletzt Aufgerichteten.
Nr. 11, die Grösste Statue der Reihe, ist 8.90 Meter hoch und wiegt 88 Tonnen, der abgebrochene Kopf allein ist 26 Tonnen schwer. Die Statue Nr. 14 auf der Westseite der Plattform wiegt 60 Tonnen und ist praktisch unbeschädigt. Die feinen Kantenlinien der je 2 m2 messenden Hände, die Verzierungen an den meterlangen Ohren und ihre ausgewogene Fülle machen sie zum perfektesten Standbild der ganzen Inselkollektion!
Als einzige der Tongariki-Reihe trägt sie einen Pukao...eine Krone?


Zum Anfang der Seite